Dienstag, 24. April 2007
16.-23.4.07
stephanheinrich, 02:53h
16.4.07 Oberding
Ober-Ding oder Ob-Erding? Wenn man auf die Landkarte sieht, findet man den Nachbarort Notzing. Overthing and Nothing? Schwer zu finden sind beide Orte. Aber wegen der Nähe zum Münchner Flughafen im Aufschwung.
Ich bin früh von zu Hause angereist. Nach dem Aufbau meiner Utensilien genehmige ich mir ein Frühstück im Gastraum. Nach kurzer Zeit gesellt sich ein älterer Herr zu mir. Später stellt sich heraus, das es „da Opa“ ist. Ich beichte, dass ich eine der Zeitungen vom großen Familientisch ausgeborgt habe. Er sagt „Is mia ah rechd. Steed eh überoill dees gleiche drin.“ Eine Dame seines Alters bringt mir mein Spiegelei, das ein Rührei ist. Is eh des gleiche. Später sehe ich, dass im Eingangbereich ein Hochzeitsfoto der beiden ausgestellt ist. Ich tippe auf 1940.
An diesem Montag nach Ostern erwartet uns wundervolles Wetter. Wir nehmen das Mittagessen draußen ein. Die Sonne scheint und da Opa flirtet mit den weiblichen Teilnehmerinnen. Einem Handy-Junky zeigt er den besten Empfangsplatz im Innenhof des Landgasthofs. So ist Bayern: Beständig auf der Suche nach dem Modernen.
17.4.07 Oberding und Fahrt nach Haiger
Haiger ist eine Grenzstadt. Zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen. Haiger hat eigentlich keine eigene Autobahnausfahrt. Das liegt auch am Gelände. Aber nur auch. Last Exit Haiger ist entweder Würgendorf oder Dillenburg. Dazwischen liegt Haiger am Hang. Wenn Sie Haiger nur sehen wollen, fahren Sie einfach die A45 nach Norden und gucken Sie nach links unten. Ich muss raus fahren. In Haiger finde ich auch kein Hotel. Also schlafe ich in Würgendorf. Das ist Deutschland.
Mein Hotel schläft schon, als ich komme. Aber mein Schlüssel steckt. Das ist schön. Nach 4 Stunden Fahrt habe ich Lust auf ein Getränk. Leider kann das beste Hotel am Platz diese Lust nicht befriedigen. Ich stelle meine Tasche aufs Zimmer und nehme die Autobahn zur nächsten Ausfahrt Dillenburg. Ein schönes Städtchen mit hohen Fachwerkbauten. Leider sind auch hier die Gehsteige um 22 Uhr schon fest verriegelt. Gut dass es Tankstellen gibt. Noch ein Wasser und eine DVD auf dem Notebook.
18.4.07 Haiger und Würgendorf
Nach dem Training noch ein Gespräch mit einem Geschäftspartner. Ich lerne viel. Als ich in das Hotel zurück komme ist der Bär los. Was gestern verwaist war ist jetzt der Quell des Lebens. Ich bekomme keinen regulären Parkplatz mehr auf dem Gelände. Das Restaurant ist voll. Menschen in bequemer Freizeitkleidung nehmen viel Raum ein und Grillpfannen zu sich. Schon wieder Deutschland. Fast zum Gongschlag um 22 Uhr sind alle weg. Ach so geht das.
19.4.07 Fahrt nach Frankfurt
Wenn Sie jemals in der Gegend von Bad Homburg Lust verspüren Golf zu spielen, dann versuchen Sie es zu unterdrücken. Geben Sie auf keinen Fall Ihr Geld für ein Greenfee auf dem Golfplatz dort aus. Zumindest nicht in diesem Jahr. Ich war mit meinem Partner dort. Miserable Greens. Baustelle an fast jeder Bahn. Jeder Club der etwas auf sich hält, reduziert die Gebühr, wenn der Platz in diesem Zustand ist. In Bad Homburg hat man das nicht nötig.
Mein Partner legt Wert darauf, dass der Platz zumindest insofern schön ist, dass es ihm gelungen ist, einen 280 Meter Abschlag zu produzieren. Wir erwähnen nur am Rande, dass das Fairway rund 80 Höhenmeter unter dem Abschlag liegt. Und wir lassen komplett unerwähnt, dass der Autor eine der schlimmsten Chaos-Runden seines jüngeren Golflebens erlebt.
20.4.07 Flughafen Frankfurt
Sind Sie schon mal hinten um den Flughafen Frankfurt herumgefahren? Mörfelden wäre ein guter Ausgangspunkt. Sie erleben eine Landschaft zwischen Industrie und Polizeikontrolle, zwischen Power und Verkehrsberuhigung. Das gibt es wohl nur hier in Deutschland. Ein Wirtschaftsmagnet um den sich die Menschen scharen und gleichzeitig dessen Kraft verfluchen. „Schluss mit Fluglärm“ lesen Sie an Plakaten, die in Rufweite zur Startbahn stehen. Aufgehängt an Häusern, die erst seit weniger als 20 Jahren stehen. So sind wir. Schnäppchen mit dem Grundstück und dann klagen.
Nach unserem Termin bitte ich um eine Revenge. Golfplatz Hanau. Respekt. Perfekte Bahnen. Super Greens. Anspruchsvolle Bahnen. Ich fange schwach an und schaffe zum Schluss fast den Ausgleich. Am letzten Loch wird’s noch mal spannend. Sollte nicht sein, aber: Ein gelungener Tag!
23.4.07 BAUMA
Eine der größten Messen in Deutschland ist die BAUMA. Sie wird ziemlich genau alle drei Jahre in München abgehalten. Heute ist der erste Tag. Das wusste ich, hatte es aber vergessen. Es fiel mir wieder ein, als ich heute Morgen um 7:15 im Auto saß. Für die paar Kilometer nach Dornach war ich 2 Stunden unterwegs. Ja!! Deutschland boomt! Der Aufschwung ist da!
Mein Training ist etwas Besonderes. Ich habe den Eindruck, dass ich den vorwiegend weiblichen Teilnehmerinnen eine neue Perspektive auf Ihren Job ermöglichst habe. Es war der erste Teil eines Trainings, der in 2 Wochen fortgesetzt wird. Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht.
Ober-Ding oder Ob-Erding? Wenn man auf die Landkarte sieht, findet man den Nachbarort Notzing. Overthing and Nothing? Schwer zu finden sind beide Orte. Aber wegen der Nähe zum Münchner Flughafen im Aufschwung.
Ich bin früh von zu Hause angereist. Nach dem Aufbau meiner Utensilien genehmige ich mir ein Frühstück im Gastraum. Nach kurzer Zeit gesellt sich ein älterer Herr zu mir. Später stellt sich heraus, das es „da Opa“ ist. Ich beichte, dass ich eine der Zeitungen vom großen Familientisch ausgeborgt habe. Er sagt „Is mia ah rechd. Steed eh überoill dees gleiche drin.“ Eine Dame seines Alters bringt mir mein Spiegelei, das ein Rührei ist. Is eh des gleiche. Später sehe ich, dass im Eingangbereich ein Hochzeitsfoto der beiden ausgestellt ist. Ich tippe auf 1940.
An diesem Montag nach Ostern erwartet uns wundervolles Wetter. Wir nehmen das Mittagessen draußen ein. Die Sonne scheint und da Opa flirtet mit den weiblichen Teilnehmerinnen. Einem Handy-Junky zeigt er den besten Empfangsplatz im Innenhof des Landgasthofs. So ist Bayern: Beständig auf der Suche nach dem Modernen.
17.4.07 Oberding und Fahrt nach Haiger
Haiger ist eine Grenzstadt. Zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen. Haiger hat eigentlich keine eigene Autobahnausfahrt. Das liegt auch am Gelände. Aber nur auch. Last Exit Haiger ist entweder Würgendorf oder Dillenburg. Dazwischen liegt Haiger am Hang. Wenn Sie Haiger nur sehen wollen, fahren Sie einfach die A45 nach Norden und gucken Sie nach links unten. Ich muss raus fahren. In Haiger finde ich auch kein Hotel. Also schlafe ich in Würgendorf. Das ist Deutschland.
Mein Hotel schläft schon, als ich komme. Aber mein Schlüssel steckt. Das ist schön. Nach 4 Stunden Fahrt habe ich Lust auf ein Getränk. Leider kann das beste Hotel am Platz diese Lust nicht befriedigen. Ich stelle meine Tasche aufs Zimmer und nehme die Autobahn zur nächsten Ausfahrt Dillenburg. Ein schönes Städtchen mit hohen Fachwerkbauten. Leider sind auch hier die Gehsteige um 22 Uhr schon fest verriegelt. Gut dass es Tankstellen gibt. Noch ein Wasser und eine DVD auf dem Notebook.
18.4.07 Haiger und Würgendorf
Nach dem Training noch ein Gespräch mit einem Geschäftspartner. Ich lerne viel. Als ich in das Hotel zurück komme ist der Bär los. Was gestern verwaist war ist jetzt der Quell des Lebens. Ich bekomme keinen regulären Parkplatz mehr auf dem Gelände. Das Restaurant ist voll. Menschen in bequemer Freizeitkleidung nehmen viel Raum ein und Grillpfannen zu sich. Schon wieder Deutschland. Fast zum Gongschlag um 22 Uhr sind alle weg. Ach so geht das.
19.4.07 Fahrt nach Frankfurt
Wenn Sie jemals in der Gegend von Bad Homburg Lust verspüren Golf zu spielen, dann versuchen Sie es zu unterdrücken. Geben Sie auf keinen Fall Ihr Geld für ein Greenfee auf dem Golfplatz dort aus. Zumindest nicht in diesem Jahr. Ich war mit meinem Partner dort. Miserable Greens. Baustelle an fast jeder Bahn. Jeder Club der etwas auf sich hält, reduziert die Gebühr, wenn der Platz in diesem Zustand ist. In Bad Homburg hat man das nicht nötig.
Mein Partner legt Wert darauf, dass der Platz zumindest insofern schön ist, dass es ihm gelungen ist, einen 280 Meter Abschlag zu produzieren. Wir erwähnen nur am Rande, dass das Fairway rund 80 Höhenmeter unter dem Abschlag liegt. Und wir lassen komplett unerwähnt, dass der Autor eine der schlimmsten Chaos-Runden seines jüngeren Golflebens erlebt.
20.4.07 Flughafen Frankfurt
Sind Sie schon mal hinten um den Flughafen Frankfurt herumgefahren? Mörfelden wäre ein guter Ausgangspunkt. Sie erleben eine Landschaft zwischen Industrie und Polizeikontrolle, zwischen Power und Verkehrsberuhigung. Das gibt es wohl nur hier in Deutschland. Ein Wirtschaftsmagnet um den sich die Menschen scharen und gleichzeitig dessen Kraft verfluchen. „Schluss mit Fluglärm“ lesen Sie an Plakaten, die in Rufweite zur Startbahn stehen. Aufgehängt an Häusern, die erst seit weniger als 20 Jahren stehen. So sind wir. Schnäppchen mit dem Grundstück und dann klagen.
Nach unserem Termin bitte ich um eine Revenge. Golfplatz Hanau. Respekt. Perfekte Bahnen. Super Greens. Anspruchsvolle Bahnen. Ich fange schwach an und schaffe zum Schluss fast den Ausgleich. Am letzten Loch wird’s noch mal spannend. Sollte nicht sein, aber: Ein gelungener Tag!
23.4.07 BAUMA
Eine der größten Messen in Deutschland ist die BAUMA. Sie wird ziemlich genau alle drei Jahre in München abgehalten. Heute ist der erste Tag. Das wusste ich, hatte es aber vergessen. Es fiel mir wieder ein, als ich heute Morgen um 7:15 im Auto saß. Für die paar Kilometer nach Dornach war ich 2 Stunden unterwegs. Ja!! Deutschland boomt! Der Aufschwung ist da!
Mein Training ist etwas Besonderes. Ich habe den Eindruck, dass ich den vorwiegend weiblichen Teilnehmerinnen eine neue Perspektive auf Ihren Job ermöglichst habe. Es war der erste Teil eines Trainings, der in 2 Wochen fortgesetzt wird. Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht.
... link (0 Kommentare) ... comment
Samstag, 7. April 2007
30.3.07 Ferien
stephanheinrich, 19:24h
Erschöpft aber glücklich wegen der geleisteten Arbeit bringt mich die Bahn nach Hause. Jetzt muß Deutschland erstmal zwei Wochen ohne mich auskommen.
... link (0 Kommentare) ... comment
28.3.07 Ohne Stimme
stephanheinrich, 19:23h
Meine Stimme und mein Partner sind weg. Nachmittags kurze Kur. Dann schnell zu einem Abend-Vortrag nach Hamburg und wieder zurück. Die Bahn macht’s.
... link (0 Kommentare) ... comment
27.3.07 Gänseliesel und der Adler der ein Bär war
stephanheinrich, 19:23h
Zwei Tage Göttingen. Nichts passiert. Heute abend fordern wir das Schicksal heraus: Mein Partner, mit dem ich mich zu dieser Trainingswoche in Göttingen verabredet hatte, hat vor langer Zeit hier studiert. Auf die verbliebene Ortskenntnis stützen wir uns, besuchen kurz die gute alte Gänseliesel und suchen dann das Gasthaus zum Goldenen Adler. Dort kann man gut essen, weiß mein Partner. Es stellt sich heraus, der Gasthof dann doch einem schwarzen Bären seinen Namen verdankt. Siegessicher wählen wir beide die „Bärenpfanne“ aus der Speisekarte. Dazu ein schöner Rotwein. Die beiden jungen Kellnerinnen, die sich um uns bemühen vermitteln den Eindruck, dass sonst nie eine ganze Flasche Rotwein zum Essen bestellt. Das Essen schmeckt uns beiden gut.
Neunzig Minuten später haben wir erfahren, dass schon Bismark hier die sprichwörtliche Göttinger Gastfreundschaft in Anspruch nahm und sind schleunigst und gerade noch rechtzeitig im Hotel zurück. Mein Partner verspürt massives Unwohlsein. Wie sich später herausstellen sollte wollte die Bärenpfanne nicht bei ihm bleiben. Was mich ein wenig nervös machte, weil ich auch nicht ganz fit war, meine Stimme schon sehr angespannt war und ich noch 3 Seminartage vor mir hatte. Wiederum noch später stellte sich heraus, dass es sich um eine womöglich aus dem Kindergarten angeschleppte Infektion handelte und die Ehre der Küche im Schwarzen Bären wiederherstellte.
Neunzig Minuten später haben wir erfahren, dass schon Bismark hier die sprichwörtliche Göttinger Gastfreundschaft in Anspruch nahm und sind schleunigst und gerade noch rechtzeitig im Hotel zurück. Mein Partner verspürt massives Unwohlsein. Wie sich später herausstellen sollte wollte die Bärenpfanne nicht bei ihm bleiben. Was mich ein wenig nervös machte, weil ich auch nicht ganz fit war, meine Stimme schon sehr angespannt war und ich noch 3 Seminartage vor mir hatte. Wiederum noch später stellte sich heraus, dass es sich um eine womöglich aus dem Kindergarten angeschleppte Infektion handelte und die Ehre der Küche im Schwarzen Bären wiederherstellte.
... link (0 Kommentare) ... comment
Montag, 26. März 2007
25.3.07 Wind am See
stephanheinrich, 00:50h
Das Schöne an der Umstellung auf die Sommerzeit ist, dass es ganz plötzlich länger hell ist. Weil ich häufig bereits am Sonntag zu meinen Terminen abreise, fällt mir das jetzt auf. Nicht mehr im dunklen sondern bei Sonnenschein verlasse ich meinen schönen Ammersee. Das macht den Abschied nicht leichter.
Heute ist keine Rede mehr von Schneechaos. Wunderbarer Sonnenschein und enormer Wind. Auf dem See waren heute Menschen unterwegs, die mit einer Art Lenk-Drachen und einem Surfboard über den See rasten. Das sah sehr schnell und imposant aus. Bis auf einen der Surfer, der beim Anlanden sein Brett verlor und später das inzwischen abgetriebene Board per Spaziergang zurückholen musste. Zu Fuß im Neoprenanzug. Da leidet der Coolness-Faktor erheblich.
Das erinnert mich an ein Erlebnis im Urlaub vor langer Zeit. Mein erstes Erlebnis in Sachen Windsurfing. Ich war jung und cool. Und ich lieh mir ein Board. Was ich damals nicht wusste: Auf Bali, wie vermutlich an vielen anderen Stellen damals, wurde nur ausrangierter Müll an unerfahrene Touristen verliehen. Vielleicht ist das sogar heute noch so. Wer weiß.
Also ich im T-shirt und Badehose. Und rauf auf’s Brett. Dann das ewige Mantra: Mast samt Segel herausziehen. Dann kurz stehen. Dann umfallen. Auftauchen. Aufsteigen. Und wieder von vorne. So viel Spaß für so wenig Geld.
Aber dann geschah es. Wenigstens ein Mal: Ich zog am Segel. Ich erwischte den Griff (bestimmt heißt das anders) und der Wind blies das Segel auf und ich fuhr. Nein, ich raste. Es ging über Kilometer, bis ich vor lauter Euphorie irgendwas falsch machte und die Fahrt endete.
Für Anfänger ist Windsurfen in eine Richtung möglich. In die Gegenrichtung eher nicht. So ging es auch mir. Leider bin ich weder reich noch skrupellos gewesen um das Brett einfach am Strand liegen zu lassen. Ich fühlte mich verantwortlich. Das Brett samt Segel zu tragen war aus Gewichtsgründen nicht möglich. Also schob ich es watend am Strand entlang durch die Brandung. Das dauert. Man trifft viele Leute, die wenig originelle Fragen stellen oder wichtige Bemerkungen machen. Schon nach wenigen Metern kommen kaum neue Sprüche hinzu. Leider dauert so eine Wanderung seine Zeit und ich musste sogar noch Leihgebühr nachzahlen. Ich glaube an diesem Tag habe ich sehr zur Unterhaltung des gesamten Strandabschnitts beigetragen.
Was ich nicht wusste war, dass ich mir durch den permanenten kalten Wind auf mein nasses T-Shirt und die dadurch entstandene Kühlung eine massive Entzündung des Ischiasnervs eingehandelt hatte. Schmerzen in einer Intensität wie ich sie als damals junger Mensch nicht kannte haben mir den Urlaub damals gründlich versaut. Über Jahre hinweg habe ich immer wieder den Notarzt bemühen müssen, wenn ich nur eine Radtour mit Rückenwind gemacht hatte. Windsurfen steht für mich seither in einer Kategorie mit Intimpiercing im Selbstversuch: Sehr schmerzhaft und schlecht verheilend.
Es dauert nur noch rund 3 ½ Stunden mit dem Zug von München nach Göttingen. Die verbringe ich im Speisewagen. Mein Notebook steht vor mir und ich kann so manches wegarbeiten. Und diese Kolumne schreiben. Aber auch Leute studieren.
Ich trage deutlich sichtbare Kopfhörer, was viele Menschen dazu bringt, mich nicht in ein Gespräch zu verwickeln. Aber ich höre dennoch, was um mich geschieht. Ich genieße es besonders, wenn Menschen, die sich gewöhnlich mit Sprache verständigen, jetzt plötzlich auf Zeichensprache zurückgreifen müssen um zu fragen, ob der Platz noch frei sei. Der erste Impuls ist ein Nicken. Aber in meiner Phantasie reift die Idee mich einmal unverständig zu stellen. Um dann mit großen Augen die komplette Pantomime abzunehmen. Ich werde an dieser Stelle darüber schreiben, sobald es Erfahrungswerte gibt.
Göttingen naht und ich mache mich und mein Gepäck bereit, in kürzest möglicher Zeit auf den Bahnsteig zu springen.
Heute ist keine Rede mehr von Schneechaos. Wunderbarer Sonnenschein und enormer Wind. Auf dem See waren heute Menschen unterwegs, die mit einer Art Lenk-Drachen und einem Surfboard über den See rasten. Das sah sehr schnell und imposant aus. Bis auf einen der Surfer, der beim Anlanden sein Brett verlor und später das inzwischen abgetriebene Board per Spaziergang zurückholen musste. Zu Fuß im Neoprenanzug. Da leidet der Coolness-Faktor erheblich.
Das erinnert mich an ein Erlebnis im Urlaub vor langer Zeit. Mein erstes Erlebnis in Sachen Windsurfing. Ich war jung und cool. Und ich lieh mir ein Board. Was ich damals nicht wusste: Auf Bali, wie vermutlich an vielen anderen Stellen damals, wurde nur ausrangierter Müll an unerfahrene Touristen verliehen. Vielleicht ist das sogar heute noch so. Wer weiß.
Also ich im T-shirt und Badehose. Und rauf auf’s Brett. Dann das ewige Mantra: Mast samt Segel herausziehen. Dann kurz stehen. Dann umfallen. Auftauchen. Aufsteigen. Und wieder von vorne. So viel Spaß für so wenig Geld.
Aber dann geschah es. Wenigstens ein Mal: Ich zog am Segel. Ich erwischte den Griff (bestimmt heißt das anders) und der Wind blies das Segel auf und ich fuhr. Nein, ich raste. Es ging über Kilometer, bis ich vor lauter Euphorie irgendwas falsch machte und die Fahrt endete.
Für Anfänger ist Windsurfen in eine Richtung möglich. In die Gegenrichtung eher nicht. So ging es auch mir. Leider bin ich weder reich noch skrupellos gewesen um das Brett einfach am Strand liegen zu lassen. Ich fühlte mich verantwortlich. Das Brett samt Segel zu tragen war aus Gewichtsgründen nicht möglich. Also schob ich es watend am Strand entlang durch die Brandung. Das dauert. Man trifft viele Leute, die wenig originelle Fragen stellen oder wichtige Bemerkungen machen. Schon nach wenigen Metern kommen kaum neue Sprüche hinzu. Leider dauert so eine Wanderung seine Zeit und ich musste sogar noch Leihgebühr nachzahlen. Ich glaube an diesem Tag habe ich sehr zur Unterhaltung des gesamten Strandabschnitts beigetragen.
Was ich nicht wusste war, dass ich mir durch den permanenten kalten Wind auf mein nasses T-Shirt und die dadurch entstandene Kühlung eine massive Entzündung des Ischiasnervs eingehandelt hatte. Schmerzen in einer Intensität wie ich sie als damals junger Mensch nicht kannte haben mir den Urlaub damals gründlich versaut. Über Jahre hinweg habe ich immer wieder den Notarzt bemühen müssen, wenn ich nur eine Radtour mit Rückenwind gemacht hatte. Windsurfen steht für mich seither in einer Kategorie mit Intimpiercing im Selbstversuch: Sehr schmerzhaft und schlecht verheilend.
Es dauert nur noch rund 3 ½ Stunden mit dem Zug von München nach Göttingen. Die verbringe ich im Speisewagen. Mein Notebook steht vor mir und ich kann so manches wegarbeiten. Und diese Kolumne schreiben. Aber auch Leute studieren.
Ich trage deutlich sichtbare Kopfhörer, was viele Menschen dazu bringt, mich nicht in ein Gespräch zu verwickeln. Aber ich höre dennoch, was um mich geschieht. Ich genieße es besonders, wenn Menschen, die sich gewöhnlich mit Sprache verständigen, jetzt plötzlich auf Zeichensprache zurückgreifen müssen um zu fragen, ob der Platz noch frei sei. Der erste Impuls ist ein Nicken. Aber in meiner Phantasie reift die Idee mich einmal unverständig zu stellen. Um dann mit großen Augen die komplette Pantomime abzunehmen. Ich werde an dieser Stelle darüber schreiben, sobald es Erfahrungswerte gibt.
Göttingen naht und ich mache mich und mein Gepäck bereit, in kürzest möglicher Zeit auf den Bahnsteig zu springen.
... link (0 Kommentare) ... comment
Donnerstag, 22. März 2007
22.3.07 Büro auf Schienen
stephanheinrich, 22:50h
Heute verbringe ich einen Tag im Zug. Das mache ich gerne, weil man da so ungestört arbeiten kann. Das Telefon bleibt stumm, weil sowieso dauernd die Verbindung abreißt. Und meine E-Mails kann ich bei kurzen Aufenthalten im Bahnhof versenden. Ich setze meine Kopfhörer auf und arbeite konzentriert. Das einzige, was stört sind die Fahrkartenkontrollen.
Dazwischen treffe ich Kunden und esse bei Gosch. Ein gelungener Tag!
Dazwischen treffe ich Kunden und esse bei Gosch. Ein gelungener Tag!
... link (2 Kommentare) ... comment
21.3.07 Bonn und der Weg nach Hause
stephanheinrich, 22:49h
Wir lassen den Tag ruhig angehen und besuchen zum Frühstück ein Café in Bonn. Dazu ignorieren wir die vorhandene Brücke über den Rhein und nutzen eine Personenfähre. Eine schöne Methode um den großen Fluss zu kreuzen. Personenfährenkapitäne laufen nicht Gefahr, stressbedingt zu erkranken.
Letzte Woche habe ich meine Sommerreifen aufziehen lassen, nachdem ich den kompletten Winter ohne Schneekontakt und bei viel zu hohen Temperaturen meine Winterreifen heruntergefahren habe, ist heute Schneechaos auf den Strassen angesagt. Dennoch schaffe ich es nach Hause.
Letzte Woche habe ich meine Sommerreifen aufziehen lassen, nachdem ich den kompletten Winter ohne Schneekontakt und bei viel zu hohen Temperaturen meine Winterreifen heruntergefahren habe, ist heute Schneechaos auf den Strassen angesagt. Dennoch schaffe ich es nach Hause.
... link (0 Kommentare) ... comment
20.3.07 CeBIT und Pützstück
stephanheinrich, 22:48h
Der häufigste Spruch, den man sich auf Messen anhören muss ist „Kann ich Ihnen irgendwie weiterhelfen?“ Ich sage dann grundsätzlich: „Mir ist nicht mehr zu helfen.“ Manchmal, wenn ich besonders grausam sein will humple ich dann noch ein paar Schritte. Auf dem Microsoft Stand spricht mich eine sehr aparte junge Frau an und bietet mir Hilfe an. Ich setze meinen Spruch. Sie sagt „Was glauben Sie, wie oft ich das heute schon gehört habe?“ Ich sehe auf die Uhr. 9 Uhr 25. Ich sage „Heute das erste Mal. Aber bitte wundern Sie sich nicht, wenn Sie es auch heute wieder öfter hören.“
Nachdem ich noch einige sehr schöne Gespräche mit Kunden und solchen, die es noch werden wollen führen durfte, mache ich mich auf nach Pützstück. Das gibt es wirklich. Mein Partner und Freund lebt dort mit seiner Familie und feiert seinen Geburtstag.
Unterwegs von Hannover nach diesem netten kleinen Ort in der Nähe von Bonn stelle ich fest, dass zumindest auf dieser Strecke eine gefühlte Geschwindigkeitsbeschränkung von 90kmh bereits eingeführt ist. Das geht in erster Linie auf die Überholtaktik des Schwerverkehrs zurück.
Ist es Nötigung, wenn man einfach auf die linke Spur wechselt, und dadurch jemanden zur Notbremsung bringt? Ja, aber nur wenn Absicht besteht. Und die ist nicht nachzuweisen. Denn wer einfach nach links fährt, weil er im Rückspiegel nichts gesehen hat, der lässt sich nichts zu Schulden kommen. Also: Wer nicht guckt behindert unabsichtlich. Diese juristische Feinheit scheint sich inzwischen Europaweit in den Führerhäusern der Transportbranche herumgesprochen zu haben.
Der Abend wird aber noch sehr lustig und die Reise hat sich gelohnt.
Nachdem ich noch einige sehr schöne Gespräche mit Kunden und solchen, die es noch werden wollen führen durfte, mache ich mich auf nach Pützstück. Das gibt es wirklich. Mein Partner und Freund lebt dort mit seiner Familie und feiert seinen Geburtstag.
Unterwegs von Hannover nach diesem netten kleinen Ort in der Nähe von Bonn stelle ich fest, dass zumindest auf dieser Strecke eine gefühlte Geschwindigkeitsbeschränkung von 90kmh bereits eingeführt ist. Das geht in erster Linie auf die Überholtaktik des Schwerverkehrs zurück.
Ist es Nötigung, wenn man einfach auf die linke Spur wechselt, und dadurch jemanden zur Notbremsung bringt? Ja, aber nur wenn Absicht besteht. Und die ist nicht nachzuweisen. Denn wer einfach nach links fährt, weil er im Rückspiegel nichts gesehen hat, der lässt sich nichts zu Schulden kommen. Also: Wer nicht guckt behindert unabsichtlich. Diese juristische Feinheit scheint sich inzwischen Europaweit in den Führerhäusern der Transportbranche herumgesprochen zu haben.
Der Abend wird aber noch sehr lustig und die Reise hat sich gelohnt.
... link (0 Kommentare) ... comment
19.3.07 CeBIT
stephanheinrich, 22:47h
Der Tag beginnt mit einer unerwarteten Wendung. Ich bin vor allem deshalb auf der CeBIT, weil ich heute Nachmittag eine Podiumsdiskussion moderiere. Der davor geplante Redner und Star-Trainer lässt mitteilen, dass er aufgrund eines massiven Eigentumsdeliktes, das sich in der Nacht gegen seinen Hausstand richtete, nervlich nicht in der Lage sei, anzureisen und den Vortrag zu halten.
Macht nichts. Dann spiele ich einfach den Star-Trainer. Alle Sitzplätze sind besetzt. Viele haben nur noch Steh-Plätze. Als man mich statt des Stars ankündigt, verlässt niemand den Raum. Ich schreie meinen Vortrag in Lärmkulisse der Halle 5. Mir fällt auf, dass nur die stehenden Zuschauer über meine Gags lachen. Die Sitzer bleiben versteinert. Vielleicht wollen Sie sich nur ein wenig vom anstrengenden Messetag ausruhen. Oder sie sprechen nur moldawisch. Was war dieses Jahr noch mal das Partner-Land der CeBIT?
Aber alle bleiben brav 30 Minuten sitzen und hören danach auch noch die Podiumsdiskussion mit zwei Anbietern und zwei Anwendern. Alles klappt und nachher gibt’s Applaus. Jetzt weiß ich, wie sich ein Star fühlt. Ich bedanke mich beim Kollegen und seinen Dieben, dass sie mich um diese Erfahrung reicher gemacht haben.
Macht nichts. Dann spiele ich einfach den Star-Trainer. Alle Sitzplätze sind besetzt. Viele haben nur noch Steh-Plätze. Als man mich statt des Stars ankündigt, verlässt niemand den Raum. Ich schreie meinen Vortrag in Lärmkulisse der Halle 5. Mir fällt auf, dass nur die stehenden Zuschauer über meine Gags lachen. Die Sitzer bleiben versteinert. Vielleicht wollen Sie sich nur ein wenig vom anstrengenden Messetag ausruhen. Oder sie sprechen nur moldawisch. Was war dieses Jahr noch mal das Partner-Land der CeBIT?
Aber alle bleiben brav 30 Minuten sitzen und hören danach auch noch die Podiumsdiskussion mit zwei Anbietern und zwei Anwendern. Alles klappt und nachher gibt’s Applaus. Jetzt weiß ich, wie sich ein Star fühlt. Ich bedanke mich beim Kollegen und seinen Dieben, dass sie mich um diese Erfahrung reicher gemacht haben.
... link (0 Kommentare) ... comment
18.3.07 Hannover
stephanheinrich, 22:46h
Am Sonntag geht es schon wieder ins Land. CeBIT ist das Ziel. Es handelt sich dabei um DAS Branchentreffen in der Branche, die sich mit Computer- und Kommunikationstechnik beschäftigt.
Zusammen mit meiner Frau Antje sind wir zur „Executive Night“ des Branchenverbandes geladen. Dort treffen sich die Menschen, die von sich glauben, die entscheidenden Weichen in der Branche zu stellen. Sehen und gesehen werden. Christian Wulf versucht sich mit einer auf die Branche abgestimmten Rede. Als er sein Wort an uns richtet, verstummen die Gäste und hören zu. Ganz anders als bei den langweiligen Reden der Funktionäre zuvor. Dummer Weise stellt sich nach ein paar Worten heraus, dass seine Redenschreiber auf die gleichen Ideen kommen, wie schon die seiner Vorgänger und wohl aller Politiker, die sich nach Schema F vorbereiten. Er spricht von den Erfindungen, die aus Deutschland kamen (Computer, Telefax, MP3,…) und wir müssten endlich auch von der Umsetzung profitieren. Das Publikum kennt die Rede auch schon und der Lärmpegel steigt wieder auf Bar-Niveau. Herr Wulf scheint allerdings Profi genug zu sein um schnell zu reagieren. Er bricht seine Ansprache, die als Festrede des Abends geplant war, nach 3 Minuten ab und erklärt sehr zur Überraschung des noch nicht vorbereiteten Servicepersonals, das Buffet für eröffnet. Ein Abend bei Wichtigs.
Gott sei Dank gibt es nach wie vor Menschen, die sich einfach nur austauschen wollen. Einige davon finden wir und es wird doch noch ein schöner Abend.
Zusammen mit meiner Frau Antje sind wir zur „Executive Night“ des Branchenverbandes geladen. Dort treffen sich die Menschen, die von sich glauben, die entscheidenden Weichen in der Branche zu stellen. Sehen und gesehen werden. Christian Wulf versucht sich mit einer auf die Branche abgestimmten Rede. Als er sein Wort an uns richtet, verstummen die Gäste und hören zu. Ganz anders als bei den langweiligen Reden der Funktionäre zuvor. Dummer Weise stellt sich nach ein paar Worten heraus, dass seine Redenschreiber auf die gleichen Ideen kommen, wie schon die seiner Vorgänger und wohl aller Politiker, die sich nach Schema F vorbereiten. Er spricht von den Erfindungen, die aus Deutschland kamen (Computer, Telefax, MP3,…) und wir müssten endlich auch von der Umsetzung profitieren. Das Publikum kennt die Rede auch schon und der Lärmpegel steigt wieder auf Bar-Niveau. Herr Wulf scheint allerdings Profi genug zu sein um schnell zu reagieren. Er bricht seine Ansprache, die als Festrede des Abends geplant war, nach 3 Minuten ab und erklärt sehr zur Überraschung des noch nicht vorbereiteten Servicepersonals, das Buffet für eröffnet. Ein Abend bei Wichtigs.
Gott sei Dank gibt es nach wie vor Menschen, die sich einfach nur austauschen wollen. Einige davon finden wir und es wird doch noch ein schöner Abend.
... link (0 Kommentare) ... comment
Dienstag, 20. März 2007
16.3.07 Radeberg und die Fahrt nach Hause
stephanheinrich, 13:14h
Ist Schiller in Radeberg beerdigt worden? Zumindest könnte man das glauben, wenn man den provisorischen Grabstein und das Blumenbeet mit strahlenförmig angepflanzten Stiefmütterchen in einem Mini-Park sieht.
Viele Städte hier nennen sich nach deutschen Dichtern. Goethe-Stadt, Lessing-Stadt, Schiller-Stadt. Das haben sich bestimmt direkt nach der Wende ein paar frisch geschlüpfte, aus dem Westen importierte BWL-Absolventen im Fremdenverkehrsamt einfallen lassen. Damals kam vieles ostwärts. Auch das Misstrauen.
Einer der Teilnehmer sagt mir heute, dass dieses grundlegende Misstrauen noch heute die bevorzugte Grundhaltung vieler Menschen im „Beitrittsgebiets“ sei. Schließlich ist kurz nach der Wende viel Schindluder mit den Leuten hier getrieben worden.
Ich kenne eine Geschichte wonach zwei Menschen, die Sie und ich als Vollblutverkäufer einstufen würden, ihre damals kargen Gehälter an Wochenenden des Jahres 1991 aufgebessert haben. Sie kauften in den Baumärkten der umliegenden Gemeinden alle Türspione auf, die sie kriegen konnten und fuhren mit Akku-Bohrern bewaffnet in eine Metropole der neuen Bundesländer. Dort klapperten sie die Wohnungen ab, zeigten mit ernster Miene ein frei erfundenes, aber sicher eindrucksvolles angebliches Gesetzespapier vor und behaupteten, dass die nämliche Wohnungstür nicht den gesetzlichen Bestimmungen zu Erkennung unwillkommener Besucher genüge. Sie ließen sich 50 DM Verwarnungsgeld auszahlen und bohrten auf der Stelle ein Loch in die Tür und montierten einen Türspion im Warenwert von rund 3 DM.
Kein Wunder, dass diese und andere Machenschaften bis heute bitter nachwirken. Das scheint sich auch in einer Art textiler Protesthaltung zu manifestieren. Die Menschen, mit denen ich beruflich von Rostock bis Radeberg zu tun habe, unterscheiden sich bei ihrem Modegeschmack erheblich von denen im Westen. Anzüge, Hemden und Krawatten, die man hier sieht, kann man im Westen nicht kaufen. Vielleicht ist das eine Art geheimer Code der ausdrückt: „Du kannst mir und meiner Wollkrawatte vertrauen“.
Am Bahnhof in Dresden wird umgebaut. Monströse, an Baggern montierte Presslufthämmer verrichten ihr Werk. Jeder der hier länger als 10 Minuten auf seinen Zug warten muss, wird vermutlich einen irreparablen Gehörschaden davontragen. Wenn dies eine Fabrikhalle wäre, hätte die Gewerbeaufsicht längst verhindert, dass hier einer länger als zwei Minuten ohne Gehörschutz arbeiten muss.
Umsteigen in Leipzig. Der Schaffner hat einen Clown gefrühstückt. Er betritt den Speisewagen und brüllt. „Ich hätte gerne die Fahrscheine gesehen, wenn Sie nichts dagegen haben“. Als Kommunikationstrainer erkenne ich sofort die sprachliche Ungenauigkeit und bastele an einer passenden Antwort. Der Mitreisende, der vor mir kontrolliert wird, ist schneller: „Bestimmt möchten Sie auch die Fahrscheine sehen, wenn ich was dagegen habe…“. Der Schaffner kontert „Nein. In dem Fall nehme ich Geld“. Ich verwerfe meinen Spruch. 1:0 für den Bahnangestellten. Später rennt er noch mal durch den Wagon und ruft „Mist. Mir ist langweilig.“ Gibt es neue Personalvorschriften bei der Bahn?
Im Speisewagen gibt es ein Sonderangebot. Sie sind aufgefordert „Kombinieren Sie nach Herzenslust!“ Im Klartext: Sie können eine Kartoffelcremesuppe und/oder ein „Eis Creme Vanilla & Chocolat Chips“ mit einem Hauptgericht kombinieren und dadurch zwischen 1,40 und 3,40 sparen. Als Hauptgericht bietet sich Kohlroulade oder „Conchiglioni al treno“ an. Vorausgesetzt, sie wollten das ohnehin bestellen, sparen Sie kräftig. Gibt es wirklich so viele Bahnreisende, die dringend 2 Euro sparen müssen? Und gibt es wirklich viele Menschen, die wissen, was Conchiglioni sind. „Al treno“ könnte „im Zug“ heißen. Das passt dann ja wieder.
Bald ist Wochenende.
Viele Städte hier nennen sich nach deutschen Dichtern. Goethe-Stadt, Lessing-Stadt, Schiller-Stadt. Das haben sich bestimmt direkt nach der Wende ein paar frisch geschlüpfte, aus dem Westen importierte BWL-Absolventen im Fremdenverkehrsamt einfallen lassen. Damals kam vieles ostwärts. Auch das Misstrauen.
Einer der Teilnehmer sagt mir heute, dass dieses grundlegende Misstrauen noch heute die bevorzugte Grundhaltung vieler Menschen im „Beitrittsgebiets“ sei. Schließlich ist kurz nach der Wende viel Schindluder mit den Leuten hier getrieben worden.
Ich kenne eine Geschichte wonach zwei Menschen, die Sie und ich als Vollblutverkäufer einstufen würden, ihre damals kargen Gehälter an Wochenenden des Jahres 1991 aufgebessert haben. Sie kauften in den Baumärkten der umliegenden Gemeinden alle Türspione auf, die sie kriegen konnten und fuhren mit Akku-Bohrern bewaffnet in eine Metropole der neuen Bundesländer. Dort klapperten sie die Wohnungen ab, zeigten mit ernster Miene ein frei erfundenes, aber sicher eindrucksvolles angebliches Gesetzespapier vor und behaupteten, dass die nämliche Wohnungstür nicht den gesetzlichen Bestimmungen zu Erkennung unwillkommener Besucher genüge. Sie ließen sich 50 DM Verwarnungsgeld auszahlen und bohrten auf der Stelle ein Loch in die Tür und montierten einen Türspion im Warenwert von rund 3 DM.
Kein Wunder, dass diese und andere Machenschaften bis heute bitter nachwirken. Das scheint sich auch in einer Art textiler Protesthaltung zu manifestieren. Die Menschen, mit denen ich beruflich von Rostock bis Radeberg zu tun habe, unterscheiden sich bei ihrem Modegeschmack erheblich von denen im Westen. Anzüge, Hemden und Krawatten, die man hier sieht, kann man im Westen nicht kaufen. Vielleicht ist das eine Art geheimer Code der ausdrückt: „Du kannst mir und meiner Wollkrawatte vertrauen“.
Am Bahnhof in Dresden wird umgebaut. Monströse, an Baggern montierte Presslufthämmer verrichten ihr Werk. Jeder der hier länger als 10 Minuten auf seinen Zug warten muss, wird vermutlich einen irreparablen Gehörschaden davontragen. Wenn dies eine Fabrikhalle wäre, hätte die Gewerbeaufsicht längst verhindert, dass hier einer länger als zwei Minuten ohne Gehörschutz arbeiten muss.
Umsteigen in Leipzig. Der Schaffner hat einen Clown gefrühstückt. Er betritt den Speisewagen und brüllt. „Ich hätte gerne die Fahrscheine gesehen, wenn Sie nichts dagegen haben“. Als Kommunikationstrainer erkenne ich sofort die sprachliche Ungenauigkeit und bastele an einer passenden Antwort. Der Mitreisende, der vor mir kontrolliert wird, ist schneller: „Bestimmt möchten Sie auch die Fahrscheine sehen, wenn ich was dagegen habe…“. Der Schaffner kontert „Nein. In dem Fall nehme ich Geld“. Ich verwerfe meinen Spruch. 1:0 für den Bahnangestellten. Später rennt er noch mal durch den Wagon und ruft „Mist. Mir ist langweilig.“ Gibt es neue Personalvorschriften bei der Bahn?
Im Speisewagen gibt es ein Sonderangebot. Sie sind aufgefordert „Kombinieren Sie nach Herzenslust!“ Im Klartext: Sie können eine Kartoffelcremesuppe und/oder ein „Eis Creme Vanilla & Chocolat Chips“ mit einem Hauptgericht kombinieren und dadurch zwischen 1,40 und 3,40 sparen. Als Hauptgericht bietet sich Kohlroulade oder „Conchiglioni al treno“ an. Vorausgesetzt, sie wollten das ohnehin bestellen, sparen Sie kräftig. Gibt es wirklich so viele Bahnreisende, die dringend 2 Euro sparen müssen? Und gibt es wirklich viele Menschen, die wissen, was Conchiglioni sind. „Al treno“ könnte „im Zug“ heißen. Das passt dann ja wieder.
Bald ist Wochenende.
... link (0 Kommentare) ... comment
15.3.07 Radeberg
stephanheinrich, 13:12h
Klar kennen Sie Radeberger. Das Bier meine ich. Das mit der Semperoper. Klar. Aber wenn Sie schon mal in Radeberg waren, dann wissen Sie, dass es ungefähr so weit weg ist von der Semperoper, wie Bochum von Schalke. Aber weil hier kein Ruhrgebiet ist, hat man Gnade vor Recht gelten lassen und Radeberger darf die Semperoper abbilden. Die Brauerei ist schließlich „alles was das alles überstanden har“ sagte mir heute Morgen der Taxifahrer.
Letzterer war ein gesunder Mann in meinem Alter. Ich habe viel zu tragen, wenn ich zu meinen Kunden fahre. Da ist ein Turm aus mehreren Koffern auf einem Wagen. Das ganze kann man zusammenstecken und ist sehr praktisch. Zumindest auf ebenem Untergrund. Wenn eine Treppe dazwischen kommt, wird es kritisch. Denn den gesamten Turm kann man nicht einfach so tragen. Der wiegt wohl so ca. 50kg. Den kann man in zwei Teile zerlegen, den Wagen unter den Arm klemmen und so kurze Stufenpassagen keuchend überbrücken.
Also der Taxifahrer hat mich beobachtet und mir freundliche Blicke zugeworfen, als er mich am Hotel abholte. Er war zwar kurz in der Hotelhalle, hat mein Gepäck gesehen, ist dann aber schnell die 6 Stufen heruntergegangen, um schon mal den Kofferraum zu öffnen. Von dort wirft er mir ermunternde Blicke ob der bevorstehenden Schlepperei zu. „Du schaffst das“ sagt sein Blick und ein besorgtes Zucken durchstreift seine Mimik, als ich mit allem behangen fast die Treppe herabstürze. Ein sorgenfaltenbetontes „schon schwer“ zeigt sein Mitleid als ich mein Material in den Kofferraum wuchte. Das gibt leider kein Trinkgeld, war das feste Vorhaben. Aber nachdem er mich direkt vor dem Eingang absetzte statt 20 Meter entfernt an der Strasse und erschöpft guckte, verwarf ich diese Sanktion. Wenn einer so bedürftig aussieht kann ich nicht anders.
Radeberg war wohl mal für Größeres ausgelegt. Zumindest mag man das denken, wenn man die Brücke über die Gleise in der Nähe des Bahnhofs überquert. In München gibt es eine ähnliche Brücke. Die führt über den Rangierbahnhof im Nordwesten Münchens. Die Altstadt von Radeberg habe ich nicht gefunden. Alles ist beherrscht von der Brauerei und dem angeschlossenen Hotel, in dem ich auch untergebracht bin.
Man sitzt in einem Gastraum, den vermutlich 90% der mir bekannten polyglotten Amerikaner als „original bavarian gemutlikeit“ eingestuft hätten. Dunkle Holzvertäfelungen und in dem schmalen Streifen Wand darüber, der in einem blassen Gelb gehalten ist, mehr Bilder in unterschiedlichen Rahmen als der schlimmste Innenarchitekt für machbar halten würde.
Radeberg ist nicht vom Wohlstand verwöhnt, aber es gibt einen Baumarkt. Und anscheinend alles, was man braucht um in einer Trabantenstadt zu leben.
Mein Kunde ist nicht in einem Industriegebiet. Es ist nicht eines der entseelten Gebäude, wie ich sie im Osten Deutschlands schon so oft erlebt habe. Es ist eine Villa. Gründerzeit oder Jugendstil? Mosaik im Boden. Runderker. Stil. Und viel zu klein. Es scheint, die Menschen sitzen am Boden. Der Seminarraum verstößt vermutlich gegen die Genfer Konventionen zur Unterbringung von Kriegsgefangenen. Man ist eingezwängt aber glücklich. Das färbt ab. Noch nie habe ich ein Seminar unter ähnlich beengten und drastisch unprofessionellen Voraussetzungen gehalten. Ich schwöre. Ich war schon des Öfteren problematischen Umgebungen ausgesetzt. Aber noch nie hat sich daraus ein so intensives, rücksichtsvoll geführtes und engagiertes Miteinander entwickelt. Respekt vor diesem Unternehmen. Auch unter heftigen Bedingungen werden diese Menschen zusammen rücken, das Überleben sichern und fröhlich miteinander und den Mitmenschen umgehen.
Ich hatte im Vorfeld ein wenig Respekt hiervor, weil ich das Wessi-unterdrückt-Ossi Thema im Kopf hatte. In der Vorbereitung gab es schon Anzeichen, dass das in Richtung „Lass den mal kommen, dann zeigen wir dem, wie das hier im Wilden Osten läuft“ abgleitet. Aber nun stelle ich fest, dass die Menschen hier selbstreflektiert und –kritisch sind, wie man sich das als Trainer nur wünscht.
Radeberg, Du hast mein Deutschlandbild neu sortiert.
Letzterer war ein gesunder Mann in meinem Alter. Ich habe viel zu tragen, wenn ich zu meinen Kunden fahre. Da ist ein Turm aus mehreren Koffern auf einem Wagen. Das ganze kann man zusammenstecken und ist sehr praktisch. Zumindest auf ebenem Untergrund. Wenn eine Treppe dazwischen kommt, wird es kritisch. Denn den gesamten Turm kann man nicht einfach so tragen. Der wiegt wohl so ca. 50kg. Den kann man in zwei Teile zerlegen, den Wagen unter den Arm klemmen und so kurze Stufenpassagen keuchend überbrücken.
Also der Taxifahrer hat mich beobachtet und mir freundliche Blicke zugeworfen, als er mich am Hotel abholte. Er war zwar kurz in der Hotelhalle, hat mein Gepäck gesehen, ist dann aber schnell die 6 Stufen heruntergegangen, um schon mal den Kofferraum zu öffnen. Von dort wirft er mir ermunternde Blicke ob der bevorstehenden Schlepperei zu. „Du schaffst das“ sagt sein Blick und ein besorgtes Zucken durchstreift seine Mimik, als ich mit allem behangen fast die Treppe herabstürze. Ein sorgenfaltenbetontes „schon schwer“ zeigt sein Mitleid als ich mein Material in den Kofferraum wuchte. Das gibt leider kein Trinkgeld, war das feste Vorhaben. Aber nachdem er mich direkt vor dem Eingang absetzte statt 20 Meter entfernt an der Strasse und erschöpft guckte, verwarf ich diese Sanktion. Wenn einer so bedürftig aussieht kann ich nicht anders.
Radeberg war wohl mal für Größeres ausgelegt. Zumindest mag man das denken, wenn man die Brücke über die Gleise in der Nähe des Bahnhofs überquert. In München gibt es eine ähnliche Brücke. Die führt über den Rangierbahnhof im Nordwesten Münchens. Die Altstadt von Radeberg habe ich nicht gefunden. Alles ist beherrscht von der Brauerei und dem angeschlossenen Hotel, in dem ich auch untergebracht bin.
Man sitzt in einem Gastraum, den vermutlich 90% der mir bekannten polyglotten Amerikaner als „original bavarian gemutlikeit“ eingestuft hätten. Dunkle Holzvertäfelungen und in dem schmalen Streifen Wand darüber, der in einem blassen Gelb gehalten ist, mehr Bilder in unterschiedlichen Rahmen als der schlimmste Innenarchitekt für machbar halten würde.
Radeberg ist nicht vom Wohlstand verwöhnt, aber es gibt einen Baumarkt. Und anscheinend alles, was man braucht um in einer Trabantenstadt zu leben.
Mein Kunde ist nicht in einem Industriegebiet. Es ist nicht eines der entseelten Gebäude, wie ich sie im Osten Deutschlands schon so oft erlebt habe. Es ist eine Villa. Gründerzeit oder Jugendstil? Mosaik im Boden. Runderker. Stil. Und viel zu klein. Es scheint, die Menschen sitzen am Boden. Der Seminarraum verstößt vermutlich gegen die Genfer Konventionen zur Unterbringung von Kriegsgefangenen. Man ist eingezwängt aber glücklich. Das färbt ab. Noch nie habe ich ein Seminar unter ähnlich beengten und drastisch unprofessionellen Voraussetzungen gehalten. Ich schwöre. Ich war schon des Öfteren problematischen Umgebungen ausgesetzt. Aber noch nie hat sich daraus ein so intensives, rücksichtsvoll geführtes und engagiertes Miteinander entwickelt. Respekt vor diesem Unternehmen. Auch unter heftigen Bedingungen werden diese Menschen zusammen rücken, das Überleben sichern und fröhlich miteinander und den Mitmenschen umgehen.
Ich hatte im Vorfeld ein wenig Respekt hiervor, weil ich das Wessi-unterdrückt-Ossi Thema im Kopf hatte. In der Vorbereitung gab es schon Anzeichen, dass das in Richtung „Lass den mal kommen, dann zeigen wir dem, wie das hier im Wilden Osten läuft“ abgleitet. Aber nun stelle ich fest, dass die Menschen hier selbstreflektiert und –kritisch sind, wie man sich das als Trainer nur wünscht.
Radeberg, Du hast mein Deutschlandbild neu sortiert.
... link (0 Kommentare) ... comment