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Montag, 26. März 2007
25.3.07 Wind am See
stephanheinrich, 00:50h
Das Schöne an der Umstellung auf die Sommerzeit ist, dass es ganz plötzlich länger hell ist. Weil ich häufig bereits am Sonntag zu meinen Terminen abreise, fällt mir das jetzt auf. Nicht mehr im dunklen sondern bei Sonnenschein verlasse ich meinen schönen Ammersee. Das macht den Abschied nicht leichter.
Heute ist keine Rede mehr von Schneechaos. Wunderbarer Sonnenschein und enormer Wind. Auf dem See waren heute Menschen unterwegs, die mit einer Art Lenk-Drachen und einem Surfboard über den See rasten. Das sah sehr schnell und imposant aus. Bis auf einen der Surfer, der beim Anlanden sein Brett verlor und später das inzwischen abgetriebene Board per Spaziergang zurückholen musste. Zu Fuß im Neoprenanzug. Da leidet der Coolness-Faktor erheblich.
Das erinnert mich an ein Erlebnis im Urlaub vor langer Zeit. Mein erstes Erlebnis in Sachen Windsurfing. Ich war jung und cool. Und ich lieh mir ein Board. Was ich damals nicht wusste: Auf Bali, wie vermutlich an vielen anderen Stellen damals, wurde nur ausrangierter Müll an unerfahrene Touristen verliehen. Vielleicht ist das sogar heute noch so. Wer weiß.
Also ich im T-shirt und Badehose. Und rauf auf’s Brett. Dann das ewige Mantra: Mast samt Segel herausziehen. Dann kurz stehen. Dann umfallen. Auftauchen. Aufsteigen. Und wieder von vorne. So viel Spaß für so wenig Geld.
Aber dann geschah es. Wenigstens ein Mal: Ich zog am Segel. Ich erwischte den Griff (bestimmt heißt das anders) und der Wind blies das Segel auf und ich fuhr. Nein, ich raste. Es ging über Kilometer, bis ich vor lauter Euphorie irgendwas falsch machte und die Fahrt endete.
Für Anfänger ist Windsurfen in eine Richtung möglich. In die Gegenrichtung eher nicht. So ging es auch mir. Leider bin ich weder reich noch skrupellos gewesen um das Brett einfach am Strand liegen zu lassen. Ich fühlte mich verantwortlich. Das Brett samt Segel zu tragen war aus Gewichtsgründen nicht möglich. Also schob ich es watend am Strand entlang durch die Brandung. Das dauert. Man trifft viele Leute, die wenig originelle Fragen stellen oder wichtige Bemerkungen machen. Schon nach wenigen Metern kommen kaum neue Sprüche hinzu. Leider dauert so eine Wanderung seine Zeit und ich musste sogar noch Leihgebühr nachzahlen. Ich glaube an diesem Tag habe ich sehr zur Unterhaltung des gesamten Strandabschnitts beigetragen.
Was ich nicht wusste war, dass ich mir durch den permanenten kalten Wind auf mein nasses T-Shirt und die dadurch entstandene Kühlung eine massive Entzündung des Ischiasnervs eingehandelt hatte. Schmerzen in einer Intensität wie ich sie als damals junger Mensch nicht kannte haben mir den Urlaub damals gründlich versaut. Über Jahre hinweg habe ich immer wieder den Notarzt bemühen müssen, wenn ich nur eine Radtour mit Rückenwind gemacht hatte. Windsurfen steht für mich seither in einer Kategorie mit Intimpiercing im Selbstversuch: Sehr schmerzhaft und schlecht verheilend.
Es dauert nur noch rund 3 ½ Stunden mit dem Zug von München nach Göttingen. Die verbringe ich im Speisewagen. Mein Notebook steht vor mir und ich kann so manches wegarbeiten. Und diese Kolumne schreiben. Aber auch Leute studieren.
Ich trage deutlich sichtbare Kopfhörer, was viele Menschen dazu bringt, mich nicht in ein Gespräch zu verwickeln. Aber ich höre dennoch, was um mich geschieht. Ich genieße es besonders, wenn Menschen, die sich gewöhnlich mit Sprache verständigen, jetzt plötzlich auf Zeichensprache zurückgreifen müssen um zu fragen, ob der Platz noch frei sei. Der erste Impuls ist ein Nicken. Aber in meiner Phantasie reift die Idee mich einmal unverständig zu stellen. Um dann mit großen Augen die komplette Pantomime abzunehmen. Ich werde an dieser Stelle darüber schreiben, sobald es Erfahrungswerte gibt.
Göttingen naht und ich mache mich und mein Gepäck bereit, in kürzest möglicher Zeit auf den Bahnsteig zu springen.
Heute ist keine Rede mehr von Schneechaos. Wunderbarer Sonnenschein und enormer Wind. Auf dem See waren heute Menschen unterwegs, die mit einer Art Lenk-Drachen und einem Surfboard über den See rasten. Das sah sehr schnell und imposant aus. Bis auf einen der Surfer, der beim Anlanden sein Brett verlor und später das inzwischen abgetriebene Board per Spaziergang zurückholen musste. Zu Fuß im Neoprenanzug. Da leidet der Coolness-Faktor erheblich.
Das erinnert mich an ein Erlebnis im Urlaub vor langer Zeit. Mein erstes Erlebnis in Sachen Windsurfing. Ich war jung und cool. Und ich lieh mir ein Board. Was ich damals nicht wusste: Auf Bali, wie vermutlich an vielen anderen Stellen damals, wurde nur ausrangierter Müll an unerfahrene Touristen verliehen. Vielleicht ist das sogar heute noch so. Wer weiß.
Also ich im T-shirt und Badehose. Und rauf auf’s Brett. Dann das ewige Mantra: Mast samt Segel herausziehen. Dann kurz stehen. Dann umfallen. Auftauchen. Aufsteigen. Und wieder von vorne. So viel Spaß für so wenig Geld.
Aber dann geschah es. Wenigstens ein Mal: Ich zog am Segel. Ich erwischte den Griff (bestimmt heißt das anders) und der Wind blies das Segel auf und ich fuhr. Nein, ich raste. Es ging über Kilometer, bis ich vor lauter Euphorie irgendwas falsch machte und die Fahrt endete.
Für Anfänger ist Windsurfen in eine Richtung möglich. In die Gegenrichtung eher nicht. So ging es auch mir. Leider bin ich weder reich noch skrupellos gewesen um das Brett einfach am Strand liegen zu lassen. Ich fühlte mich verantwortlich. Das Brett samt Segel zu tragen war aus Gewichtsgründen nicht möglich. Also schob ich es watend am Strand entlang durch die Brandung. Das dauert. Man trifft viele Leute, die wenig originelle Fragen stellen oder wichtige Bemerkungen machen. Schon nach wenigen Metern kommen kaum neue Sprüche hinzu. Leider dauert so eine Wanderung seine Zeit und ich musste sogar noch Leihgebühr nachzahlen. Ich glaube an diesem Tag habe ich sehr zur Unterhaltung des gesamten Strandabschnitts beigetragen.
Was ich nicht wusste war, dass ich mir durch den permanenten kalten Wind auf mein nasses T-Shirt und die dadurch entstandene Kühlung eine massive Entzündung des Ischiasnervs eingehandelt hatte. Schmerzen in einer Intensität wie ich sie als damals junger Mensch nicht kannte haben mir den Urlaub damals gründlich versaut. Über Jahre hinweg habe ich immer wieder den Notarzt bemühen müssen, wenn ich nur eine Radtour mit Rückenwind gemacht hatte. Windsurfen steht für mich seither in einer Kategorie mit Intimpiercing im Selbstversuch: Sehr schmerzhaft und schlecht verheilend.
Es dauert nur noch rund 3 ½ Stunden mit dem Zug von München nach Göttingen. Die verbringe ich im Speisewagen. Mein Notebook steht vor mir und ich kann so manches wegarbeiten. Und diese Kolumne schreiben. Aber auch Leute studieren.
Ich trage deutlich sichtbare Kopfhörer, was viele Menschen dazu bringt, mich nicht in ein Gespräch zu verwickeln. Aber ich höre dennoch, was um mich geschieht. Ich genieße es besonders, wenn Menschen, die sich gewöhnlich mit Sprache verständigen, jetzt plötzlich auf Zeichensprache zurückgreifen müssen um zu fragen, ob der Platz noch frei sei. Der erste Impuls ist ein Nicken. Aber in meiner Phantasie reift die Idee mich einmal unverständig zu stellen. Um dann mit großen Augen die komplette Pantomime abzunehmen. Ich werde an dieser Stelle darüber schreiben, sobald es Erfahrungswerte gibt.
Göttingen naht und ich mache mich und mein Gepäck bereit, in kürzest möglicher Zeit auf den Bahnsteig zu springen.
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